idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
Medienpartner:
WJ2014


Teilen: 
12.11.2012 12:42

Wissenschaftsrat: Sechs Entscheidungen im Verfahren der Institutionellen Akkreditierung

Dr. Christiane Kling-Mathey Geschäftsstelle
Wissenschaftsrat

    Erstmals weitere Reakkreditierungen für nicht mehr erforderlich erklärt

    Auf seinen Herbstsitzungen hat der Wissenschaftsrat sechs Verfahren der Institutionellen Akkreditierung bzw. Reakkreditierung beraten. In sämtlichen Fällen gelangt er, wenngleich mit einigen Einschränkungen, zu positiven Entscheidungen. Erstmals wendete der Wissenschaftsrat seine im Mai 2012 beschlossene neue Verfahrensweise an und erklärte im Einzelfall weitere turnusgemäße Institutionelle Reakkreditierungen für nicht mehr erforderlich.

    Die Private Fachhochschule für Wirtschaft und Technik Vechta/Diepholz/Olden­burg (FHWT) mit Stammsitz in Vechta wird vom Wissenschaftsrat für zehn Jahre re­akkredi­tiert. Die aus der vor über zwanzig Jahren gegründeten Berufsakademie Oldenburger Münsterland e. V. heraus entstandene und 1998 vom Land Niedersachsen staat­lich anerkannte Hochschule wurde 2006/2007 erstmals institutionell akkreditiert. Sie bietet duale Bachelor-Studiengänge in den Bereichen Wirtschaftswissenschaften (in Vechta und seit 2011 in Bremen), Maschinenbau und Wirtschaftsingenieurwesen (in Diepholz) sowie Elektronik und Mechatronik (in Oldenburg) an. Mit ihrem Studienangebot möchte sie dazu beitragen, den Bedarf des regionalen Arbeitsmarkts zu decken.

    Positiv hervorzuheben sind das branchenorientierte praxisnahe Studienangebot, die engen und vielfältigen Verbindungen zur regionalen Wirtschaft, die guten Studienbedingungen und Laborausstattungen in Diepholz und Oldenburg sowie die solide Finanzierung.

    Der Wissenschaftsrat würdigt die Aufbauleistung und Entwicklung der FHWT. Er verbindet die Reakkreditierung nicht mit Auflagen, spricht aber einige Empfehlungen aus, welche unter anderem die Stärkung der Kompetenzen der Studienbereiche und die künftige Forschung betreffen.

    Die Fachhochschule für die Wirtschaft (FHDW) Hannover wird vom Wissenschaftsrat für zunächst fünf Jahre institutionell reakkreditiert. Der Akkreditierungszeitraum verlängert sich ohne weitere Prüfung auf insgesamt zehn Jahre, sofern die FHDW Hannover sämtliche Auflagen innerhalb eines Jahres erfüllt.

    Die 1996 gegründete Hochschule bietet vier Bachelor- und vier Masterstudiengänge in den Bereichen Informatik/Mechatronik und Betriebswirtschaftlehre an. Der Wissenschaftsrat begrüßt die Steigerung der Forschungsaktivitäten seit der Erstakkreditierung und würdigt das wirksame Instrumentarium, mittels dessen die FHDW Hannover die Einhaltung hoher Qualitätsstandards in Lehre und Forschung sichert.

    Die Reakkreditierung ist mit den Auflagen verbunden, die Amtszeiten der Hochschul- und Abteilungsleitungen zu begrenzen sowie die Mitwirkungsrechte der Hochschulkonferenz bei der Besetzung der entsprechenden Leitungspositionen zu stärken. Zudem muss durch Änderungen an Grundordnung und Arbeitsverträgen die bislang mögliche Einflussnahme der Hochschulleitung in akademischen Angelegenheiten von Forschung und Lehre ausgeschlossen werden.

    Bei der FHWT und im Fall der Auflagenerfüllung auch der FHDW sind nach Auffassung des Wissenschaftsrates weitere regelmäßige Institutionelle Reakkreditierungen nicht mehr erforderlich. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Professor Wolfgang Marquardt, erklärt hierzu: „Der Wissenschaftsrat prüft, ob eine nichtstaatliche Hochschuleinrichtung in der Lage ist, Leistungen in Lehre und Forschung zu erbringen, die anerkannten wissenschaftlichen Maßstäben entsprechen. Wurde dieser Nachweis mehrfach überzeugend erbracht, ist eine turnusmäßige Prüfung durch uns nicht mehr erforderlich. Entsprechend etablierte nichtstaatliche Hochschulen werden damit ihren staatlichen Pendants hinsichtlich der Qualitätssicherung im Wesentlichen gleichgestellt.“ Die Verpflichtungen zur Akkreditierung von Studiengängen bzw. von Qualitätssicherungssystemen, denen auch die staatlichen Hochschulen unterlägen, blieben selbstverständlich bestehen, so Marquardt weiter. Auch stehe es den Ländern frei, anlassbezogen weitere Institutionelle Reakkreditierungen zu beantragen. „Ein möglicher Anlass könnte beispielsweise die Transformation von einer gemeinnützigen zu einer gewinnorientierten Hochschulform sein.“

    Die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG), Saarbrücken, wird vom Wissenschaftsrat für fünf Jahre institutionell reakkreditiert. Die 2001 als BSA-Private Berufsakademie gegründete Einrichtung ist seit 2008 als Hochschule vom Saarland staatlich anerkannt. Die Hochschule bietet fünf Bachelor- und zwei Masterstudiengänge in den Bereichen Fitness- und Sportökonomie, Ernährungsberatung und Gesundheitsmanagement an. Der Wissenschaftsrat begrüßt die erfolgreiche Weiterentwicklung der anwendungsorientierten Studienangebote und den Ausbau der Forschungsleistungen.

    Die Reakkreditierung ist mit den Auflagen verbunden, die Grundordnung so zu ändern, dass die Rolle der Professorinnen und Professoren im Senat gestärkt wird. Zudem muss sichergestellt werden, dass die Quote der professoralen Präsenzlehre in allen Bachelor-Studiengängen mindestens ein Drittel beträgt. Der Wissenschaftsrat empfiehlt der Hochschule ferner, zusätzliche Qualitätssicherungsmechanismen im Bereich des dualen Studiums zu schaffen sowie den weiteren Ausbau des Forschungsbereichs durch systematische Forschungsanreize, etwa durch Deputatsreduzierungen, zu unterstützen.

    Die Fachhochschule für angewandtes Management (FHAM), Erding, wird vom Wissenschaftsrat für fünf Jahre akkreditiert. Die im Jahr 2004 gegründete Hochschule bietet vier Bachelor- und fünf Master-Studiengänge in den Bereichen Management und Wirtschaftswissenschaften an. Ihr Blended Learning-Format sieht eine enge Verzahnung von Online- und Präsenzlehre vor. Der Wissenschaftsrat würdigt das durchdachte Be­treuungs­konzept der Hochschule sowie die Partnerschaft der FHAM mit Wirtschaftsunternehmen und Institutionen, mittels derer sie aktiv ein berufsbegleitendes Studium der Studierenden fördert. Auch wird die branchenspezifische Ausrichtung der Studiengänge anerkannt.

    Der Wissenschaftsrat spricht zwei Auflagen aus, die die Sicherung der akademischen Freiheit und die Verbesserung der Literaturversorgung für die Studierenden betreffen. Zudem wird der Hochschule empfohlen, ihre Aktivitäten in der Forschung und in der Internationalisierung der Lehre deutlich auszubauen.

    Eine Institutionelle Akkreditierung für fünf Jahre wird dem 2003 gegründeten Touro College Berlin erteilt, das der Wissenschaftsrat als eine Bereicherung der Berliner Hoch­schullandschaft würdigt. Neben einem betriebswirtschaftlichen Bachelor-Studien­gang, der in englischer Sprache durchgeführt wird, bietet das College den weiterbilden­den Master-Studiengang Holocaust Communication and Tolerance an. Mit diesem inno­vati­ven Studienprogramm möchte das College der Herausforderung begegnen, Kennt­nisse über den Holocaust auch dann zu vermitteln, sobald keine Zeitzeuginnen und -zeugen mehr zur Verfügung stehen.

    Zur Sicherung eines für die Hochschulförmigkeit der Einrichtung konstitutiven akademischen Kerns hält der Wissenschaftsrat die für 2012/2013 vorgesehene Besetzung dreier zusätzlicher Professuren für erforderlich. Er erteilt außerdem eine Auflage zur Verbesserung der Leitungsstrukturen und gibt der Hochschule Empfehlungen unter anderem zur Einrichtung eines Wissenschaftlichen Beirats, zum Berufsbildbezug des Master-Studiengangs, zur Systematisierung der Qualitätssicherung und zum Ausbau von Kooperationen.

    Der Wissenschaftsrat spricht der Hochschule 21 in Buxtehude eine Institutionelle Reakkreditierung für fünf Jahre aus. Als private Einrichtung hat sie ihren Studienbetrieb zum Wintersemester 2005/2006 aufgenommen, kann aber bereits auf eine lange Tradition zurückblicken: Im 19. Jahrhundert gegründet, wurde sie1971 Teil der staatlichen Fachhochschule Nordostniedersachsen. Als der Fachhochschulstandort Buxtehude 2005 aufgegeben werden sollte, kam es zur bundesweit ersten Umwandlung einer staatlichen in eine private Institution. Mit Hilfe regionaler Unterstützung gelang es, die Hochschule 21 mit drei dualen Bachelorstudiengängen des Bauwesens zu etablieren. Zwischenzeitlich wurde das Studiengangsportfolio um Mechatronik und Physiotherapie erweitert.

    Der Wissenschaftsrat begrüßt den gelungenen Umwandlungsprozess von einer staatlichen in eine private Einrichtung, verbindet die Reakkreditierung der Hochschule 21 aber mit folgenden Auflagen: Um die akademische Freiheit des wissenschaftlichen Personals der Hochschule sicherzustellen, muss die Vorgesetztenfunktion der Präsidentin bzw. dem Präsidenten der Hochschule übertragen werden. Außerdem ist die Grundordnung um verschiedene, bereits etablierte Gremien und Funktionen zu ergänzen. Auch bezüglich der Organisation des dualen Studiums sieht der Wissenschaftsrat Handlungsbedarf und macht der Hochschule zur Auflage, die Versorgung der Studierenden mit Praxisplätzen spätestens zum Ende des ersten Semesters sicherzustellen und Theorie- und Praxisphasen des dualen Studiums stärker formal aufeinander zu beziehen.


    Weitere Informationen:

    http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/pm_2412.pdf - Zur Pressemitteilung


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    fachunabhängig
    überregional
    Wissenschaftspolitik
    Deutsch


    Hilfe

    Die Suche / Erweiterte Suche im idw-Archiv
    Verknüpfungen

    Sie können Suchbegriffe mit und, oder und / oder nicht verknüpfen, z. B. Philo nicht logie.

    Klammern

    Verknüpfungen können Sie mit Klammern voneinander trennen, z. B. (Philo nicht logie) oder (Psycho und logie).

    Wortgruppen

    Zusammenhängende Worte werden als Wortgruppe gesucht, wenn Sie sie in Anführungsstriche setzen, z. B. „Bundesrepublik Deutschland“.

    Auswahlkriterien

    Die Erweiterte Suche können Sie auch nutzen, ohne Suchbegriffe einzugeben. Sie orientiert sich dann an den Kriterien, die Sie ausgewählt haben (z. B. nach dem Land oder dem Sachgebiet).

    Haben Sie in einer Kategorie kein Kriterium ausgewählt, wird die gesamte Kategorie durchsucht (z.B. alle Sachgebiete oder alle Länder).