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12.11.2012 12:52

WR | Umstrukturierung als Chance nutzen

Dr. Christiane Kling-Mathey Geschäftsstelle
Wissenschaftsrat

    Stellungnahmen des Wissenschaftsrates zu wehrmedizinischen Ressortforschungseinrichtungen

    In seinen Herbstsitzungen hat der Wissenschaftsrat über die Umsetzung einiger Empfehlungen zu Ressortforschungseinrichtungen des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVg) beraten. „Die Ressortforschung des BMVg befindet sich in einem tief greifenden institutionellen Wandel. Einrichtungen wie das Institut für den Medizinischen Arbeits- und Umweltschutz und das Sportmedizinische Institut der Bundeswehr werden geschlossen oder umstrukturiert, Standorte verlagert und neue Einrichtungen gegründet.

    Damit sind große Chancen für eine Verbesserung der wissenschaftli­chen Arbeit verbunden, die konsequent genutzt werden sollten“, fasst Professor Wolfgang Marquardt, Vorsitzender des Wissenschaftsrates, die Beratungsergebnisse zusammen. Einige wichtige Veränderungen stehen allerdings aus Sicht des Wissenschaftsrates noch aus. So verfügen die Einrichtungen nach wie vor nicht über einen eigenen Haushalt, der ih­nen mehr Flexibilität in der Reaktion auf aktuelle Anforderungen ermöglichen würde. Auch die große Fluktuation des wissenschaftlichen Personals in den wehrmedizinischen Ressortforschungseinrichtungen wird als ungünstig für die wissenschaftliche Arbeit bewertet.

    Der Wissenschaftsrat begrüßt die Intensivierung der Forschung im Flugmedizinischen Institut der Luftwaffe, Fürstenfeldbruck. Er zeigt sich zuversichtlich, dass auch die geplante Neuordnung der flugmedizinischen Forschung einer weiteren Verbesserung der Forschungsleistungen zugute kommen wird. Das BMVg beabsichtigt, das Institut in ein neues Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik der Luftwaffe einzubinden. „Vielver­sprechend sind die Pläne zur Zusammenfassung von Forschung und wissenschaftsba­sierten Dienstleistungen an einem Standort und zur Schaffung weiterer Forschungsfrei­räume“, kommentiert Marquardt. Der Wissenschaftsrat bedauert gleichwohl, dass keine Maßnahmen eingeleitet wurden, um das wissenschaftliche Personal längerfristig an das Institut zu binden. „Gerade für Kooperationsprojekte ist personelle Kontinuität unverzichtbar“, erklärt Marquardt.

    Auch das Institut für Radiobiologie der Bundeswehr, München, sieht sich mit einem häufigen Wechsel seines militärischen Personals im wissenschaftlichen Bereich konfrontiert. Der Wissenschaftsrat bekräftigt daher seine Empfehlung aus dem Jahr 2009, entsprechende Ausnahmeregelungen für Personal mit wissenschaftlichen Aufga­ben zu treffen. Insgesamt hat sich das forschungsstarke Institut in den vergangenen Jahren sehr positiv weiterentwickelt. Besonders hervorgehoben wird die engere Zu­sammenarbeit mit dem zivilen Katastrophenschutz und in der radiobiologischen wis­senschaftlichen Ausbildung. Die Vernetzung des Instituts sollte zukünftig auch auf die zivile Forschung erweitert werden.

    Merkliche Fortschritte bei der Zusammenarbeit mit der zivilen Wissenschaft hat in den vergangenen Jahren das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundes­wehr, München, erzielt. Auch darüber hinaus hat das Institut wichtige Schritte unter­nommen, um die wissenschaftliche Qualität seiner Arbeit zu stärken. Positiv hervorgehoben werden in diesem Zusammenhang die Überarbeitung des Forschungspro­gramms und die Berufung der beiden wissenschaftlichen Leiter des Institutes zu außer­plan­mäßi­gen Professuren. „Auch die erfolgreichen Anstrengungen, quali­fiziertes Personal längerfristig an das Institut zu binden, tragen zur Qualitätssicherung bei“, so Marquardt.

    Besonders stark von Umstrukturierungsplänen des BMVg betroffen ist die Laborabtei­lung IV, „Wehrmedizinische Ergonomie und Leistungsphysiologie“ des Zentralen Instituts des Sanitätsdienstes der Bundeswehr, Koblenz. „Diese Pläne haben in den vergangenen Jahren offenbar zu einer Stagnation in der Entwicklung der Einrich­tung geführt. Wesentliche Empfehlungen des Wissenschaftsrates wurden nicht umge­setzt. Weder wurden die erforderlichen zusätzlichen Stellen eingerichtet noch wurden bestimmte Bereiche durch gezielte Kooperationen gestärkt“, kritisiert Marquardt. Grundsätzlich begrüßt der Wissenschaftsrat die Pläne des BMVg, den Ressortfor­schungsbereich Ergonomie, Leistungs- und Sportphysiologie unter Einbeziehung der Laborabteilung umzustrukturieren und ein „Institut für Präventivmedizin der Bundes­wehr“ (Arbeitstitel) einzurichten. Marquardt betont jedoch: „Dabei sollte die positive Entwicklung der Laborabteilung hin zu einer deutlich forschungsorientierten Einrich­tung gestärkt werden.“ Um dies sicherzustellen, empfiehlt der Wissenschaftsrat eine Re-Evaluierung der Laborabteilung IV bzw. eine Evaluierung des geplanten „Instituts für Präventivmedizin der Bundeswehr“ in fünf bis sieben Jahren.

    Das im Jahr 2009 ebenfalls vom Wissenschaftsrat evaluierte Sportmedizinische Institut der Bundeswehr, Warendorf, nimmt inzwischen – wie vom Wissenschaftsrat empfohlen – keine Forschungsaufgaben mehr wahr und firmiert folgerichtig nicht mehr als Bundeseinrichtung mit Ressortforschungsaufgaben. Auf eine Stellungnahme zu die­sem Institut hat der Wissenschaftsrat daher verzichtet.


    Weitere Informationen:

    http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/pm_2512.pdf - Zur Pressemitteilung


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    fachunabhängig
    überregional
    Wissenschaftspolitik
    Deutsch


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