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15.11.2012 10:22

Neues DFG-Graduiertenkolleg an der Universität Tübingen über „Ambiguität: Produktion und Rezeption“

Michael Seifert Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

    Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat an der Universität Tübingen ein neues Graduiertenkolleg zum Thema „Ambiguität: Produktion und Rezeption“ (GRK 1808) bewilligt. Das Graduiertenkolleg wird ab Oktober 2013 für zunächst viereinhalb Jahre mit insgesamt mehr als 3 Millionen Euro unterstützt.

    Hier werden Doktoranden aus den Fachbereichen Anglistik, Germanistik, Romanistik, Klassische Philologie, Medienwissenschaft, Psychologie, Allgemeine Rhetorik, Evangelische Theologie und Jura künftig alle Aspekte von Mehrdeutigkeit erforschen. Das GRK arbeitet zudem eng mit dem Zentrum für Ethik in den Wissenschaften zusammen. Sprecher ist Professor Matthias Bauer vom Englischen Seminar.

    Ob Fachgespräch oder Party-Small-Talk, Gesetzestext oder lyrisches Gedicht, Politiker-Statement oder Kabarett: Ambiguität, verstanden als Doppel- oder Mehrdeutigkeit, ist ein charakteristisches Merkmal von Sprache und Kommunikation. Das macht das Konzept der Ambiguität so zentral für die Linguistik und für alle Disziplinen, die sich mit sprachlichen Äußerungen befassen. Das GRK „Ambiguität: Produktion und Re¬zep¬tion“ bringt erstmals unterschiedliche sprachbezogene For¬schungs¬ansätze zusammen, um zu verstehen, warum Kommunika¬tion trotz oder sogar aufgrund von Mehrdeutigkeit gelingt, warum sie deshalb aber auch scheitern kann und welche Effekte durch Ambiguität ausgelöst werden. Durch die Überwindung der fachlichen Isolation sollen neue Erkenntnisse gewonnen werden, wie Ambiguität produziert und rezipiert, ausgelöst, aber auch aufgelöst wird. Zugleich werden damit die Grundlagen für eine Ausweitung der Fragestellung auf nichtsprachliche Zeichensysteme (Bild, Musik usw.) gelegt.

    Das Forschungsprogramm verbindet die Untersuchung des sprachlichen Systems in der Lin-guistik mit der Untersuchung jener Äußerungen, die den Gegenstand der anderen Fächer bilden: literarische Texte, Gesetze, Verträge, biblische Texte und ihre Auslegungen, Reden und öffentliche Statements, aber auch Alltagskommunikation und Äußerungen mit dem Ziel der Bewertung und Beurteilung, der Höflichkeit usw. In besonderer Weise wird das Kolleg dabei mögliche Strategien von Sprechern und Hörern oder Lesern berücksichtigen: So können nicht nur Sprecher absichtlich mehrdeutig sein (z.B. um Konflikte zu vermeiden oder eine komplexe Idee literarisch darzustellen), sondern es kann auch ein Hörer etwas bewusst mehrdeutig verstehen, um damit eine Autorität der Vergangenheit für die Gegenwart im eigenen Sinn auszunutzen. Diese Verbindung von Sprecher- und Hörerseite, strategischem und nichtstrategischem Vorgehen, synchroner und diachroner Perspektive führt zu innovativen Ansätzen.

    Das Graduiertenkolleg unterstützt Doktoranden durch intensive interdisziplinäre Teambetreuung und konstante Evaluation bei ihrer Promotion, es sichert Forschung auf einem internationalen Niveau und will durch interdisziplinäre Zusammenarbeit konkrete Ergebnisse erzielen. Dafür verbindet das Studienprogramm die Perspektive des Gesamtkollegs mit projektorientierter Arbeit und überfachlichen Qualifikationen. Projekte mit externen und internationalen Kooperationspartnern sind geplant. In einem „Praxisverbund“ führen Kooperationspartner aus der Praxis Workshops zum Umgang mit Themen wie Ambiguität im Journalismus, Übersetzung oder Kabarett durch.

    Kontakt:
    Prof. Dr. Matthias Bauer
    Universität Tübingen
    Philosophische Fakultät / Englisches Seminar
    Telefon +49 7071 29-78469 oder 29-78459
    m.bauer[at]uni-tuebingen.de


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten
    Philosophie / Ethik, Psychologie, Recht, Religion, Sprache / Literatur
    überregional
    Forschungsprojekte
    Deutsch


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