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14.02.2013 17:11

In Blaumann und Gummistiefeln zum FameLab-Triumph

Tilo Arnhold Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

    Man nehme einen Physiker, gekleidet in Blaumann und gelbe Gummistiefel, bewaffnet mit Gießkanne, Gummientchen und Tischtennisbällen, und garniere dies mit einer ganzen Menge Witz und Wissen – und schon haben wir ihn, den frischgebackenen Gewinner des diesjährigen FameLab Sachsen! Dem Wissenschaftler gelang gestern Abend in der Moritzbastei, was vielen als unmöglich erscheint: Den Bogen zu schlagen vom Kosmos zum kleinsten Bodenteilchen. Und das in nur drei Minuten.

    Martin Schrön (27) ist Doktorand am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Hier beschäftigt er sich damit, wie kosmische Strahlung genutzt werden kann, um den Wassergehalt von Böden zu messen. „Wie feucht der Acker ist und wieviel ich daher gießen muss, steht womöglich in den Sternen“, philosophiert Schrön, während er auf der Bühne das virtuelle Ackerfeld vor sich mit einer roten Gießkanne „wässert“. „Denn dadurch, dass Sterne im Universum sterben, werden permanent Neutronen bei uns auf die Erde geschleudert“, beginnt er zu erklären und wirft bunte Tischtennisbälle zur Veranschaulichung in die Luft. „Eigentlich lassen sich diese Neutronen durch nichts beirren, denn sie sind neutral und interessieren sich überhaupt nicht für geladene Teilchen“, erklärt der Nachwuchsforscher weiter. Eine Ausnahme ist Wasser, denn sein Wasserstoff hat die Fähigkeit, diese Neutronen abzubremsen. „Und damit sind wir beim Boden. Dem feuchten Boden. Je weniger freie Neutronen wir messen, desto feuchter der Boden.“
    „Cosmic Rays und Soil Moisture“ nennt sich Schröns Fachgebiet im Wissenschaftsjargon. Eine hochkomplizierte Angelegenheit, die selbst bei interessiertem Publikum nur Fragezeichen hervorruft. Häufig auch Unverständnis. „Und wozu brauchen wir das?“, ist daher eine der typischen Fragen, mit denen Forscher konfrontiert werden. Umso wichtiger ist es, dass es solche Veranstaltungen wie FameLab gibt. Hier wird Jungwissenschaftlern die Möglichkeit gegeben, die komplexen Zusammenhänge ihrer täglichen Forschung mit Hilfe einfacher Requisiten anschaulich und leicht verständlich zu erklären.

    Besonders geschickt gelingt das auch Jana Burkhardt (31), Medizinerin an der Universität Leipzig. Als Polizistin verkleidet schlüpft sie in die Rolle von T-Zellen. Der „Körperpolizei“, wie sie sie treffend nennt. Denn als Teil des Immunsystems bekämpfen T-Zellen gefährliche Krankheitserreger. Fatal jedoch, wenn sie körpereigene Stoffe als solche Erreger ansehen. Denn dann kann es zu schwerwiegenden Überreaktionen kommen. Um dies zu verhindern, beschäftigt sich die aufgeweckte Wissenschaftlerin an der Universität Leipzig damit, wie man die Signal-„Antenne“ dieser Zellen manipulieren kann, sodass das falsche Signal „Krankheitserreger“ unterbrochen wird.
    Als Zweitplatzierte reist sie gemeinsam mit Martin Schrön am 4. Mai zum Deutschland-Finale des FameLab nach Bielefeld.

    Tosenden Beifall ernten auch die anderen Kandidaten. Insgesamt sieben junge Talente verschiedenster wissenschaftlicher Fachrichtungen ringen mit „Beziehungstipps aus der Mikrobiologie“, einem Gespräch zwischen Arzt und Patient „Fluss“ oder der Frage „Is there an(t)ibody out there?“ im Scheinwerferlicht um Ruhm und Ehre. Und machen es der Jury nicht leicht, die Sieger zu krönen: Prof. Georg Teutsch vom UFZ, Prof. Beate Schücking von der Uni Leipzig, GEO-Redakteurin Johanna Wieland und MDR-Moderator Ingolf Becker haken deshalb nach, wenn etwas unklar bleibt, bohren in die Tiefe und wägen sorgsam zwischen Entertainment- und Erkenntnisgehalt der einzelnen Vorträge ab.
    „Gerade wir Journalisten freuen uns, wenn Wissenschaftler ihre Forschung anschaulich erklären und in eine spannende Story verpacken können“, meint Jurymitglied Wieland. „Unsere Zeitschrift lebt von solchen Geschichten“, und übergibt den Publikumspreis, zwei GEO-Jahresabos. Denn sowohl der Physiker Schrön als auch der Mathematiker Giovanni Dalmasso vom UFZ erklimmen hohe Werte auf der Applausskala. Als einziger englischsprachiger Kandidat schafft es Dalmasso mit seinen bunten Luftballons, die Zuschauerherzen für die mathematischen Geheimnisse hinter der Differenzierung von T-Lymphozyten zu gewinnen. Und zeigt damit, dass auch das möglich ist: Auf geschickte unterhaltsame Art und Weise eine Brücke zwischen Mathematik und Biologie zu schlagen.

    Von wegen verstaubte, trockene Natur- und Technikwissenschaften! Dass das Interesse daran groß ist, zeigte sich wieder beim diesjährigen FameLab Contest: Die Veranstaltungstonne der Moritzbastei im Herzen Leipzigs war bis auf den letzten Zentimeter ausgefüllt. Sodass es dann am Ende des Abends für die Kandidaten vor großem Publikum heißen konnte: „Drei, zwei, eins – meins!“. Denn nicht nur Preise, sondern vor allem Anerkennung und Respekt waren ihnen sicher.

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    Der Wettbewerb FameLab fand in diesem Jahr zum zweiten Mal in Sachsen statt und wurde gemeinsam von der Universität Leipzig und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) veranstaltet. Die Videos der einzelnen Beiträge und die Gewinner-Vorträge sind in Kürze auf der Homepage http://www.famelab-germany.de zu sehen.

    Die Preisträger

    1. Platz: Martin Schrön, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
    300 Euro + Teilnahme an der Masterclass in Berlin + Teilnahme an Deutschland-Finale in Bielefeld (4. Mai)

    2. Platz: Jana Burkhardt, Universität Leipzig
    300 Euro + Teilnahme an der Masterclass in Berlin + Teilnahme an Deutschland-Finale in Bielefeld (4. Mai)

    Publikumspreis (2 x GEO-Jahresabo):
    Martin Schrön und Giovanni Dalmasso, beide UFZ


    Weitere Informationen:

    http://www.ufz.de/index.php?de=31335


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Lehrer/Schüler, Studierende, Wissenschaftler, jedermann
    Biologie, Mathematik, Medizin, Physik / Astronomie, Umwelt / Ökologie
    regional
    Buntes aus der Wissenschaft, Wettbewerbe / Auszeichnungen
    Deutsch


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