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19.02.2013 09:12

Radioaktive Abfälle: Das Projekt zur Atommülldeponie steht zur Debatte

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

    Die nationale Kommission für öffentliche Debatten (CNDP) hat am 6. Februar 2013 den Zeitplan der auf vier Monate angelegten Debatte zur Errichtung der unterirdischen Atommülldeponie Cigéo festgelegt. Diese Demonstrationsanlage für die geologische Lagerung mittel- und hochradioaktiver Abfälle ist im Departement Meuse / Haute-Marne geplant.

    Es stehen zwei Optionen für diesen Zeitplan zur Debatte: entweder zwischen dem 15. Mai und dem 15. Oktober, um der Kampagne für die Kommunalwahlen im Frühjahr 2014 auszuweichen oder zwischen September und Dezember, um die Debatte über die französische Energiewende auszunutzen.

    Nach der Verabschiedung des Gesetzes im Jahr 2006, das die Tiefenlagerung von hochradioaktiven Abfällen gestattet, wird diese Debatte den Start eines Prozesses einleiten, der bis 2019 andauern wird und durch zwei entscheidende Etappen gekennzeichnet ist: der Genehmigungsantrag für die Einrichtung des Standortes durch die französische Organisation für die Entsorgung radioaktiver Abfälle (ANDRA) im Jahr 2015 einerseits und die Verabschiedung eines neuen Gesetzes im Jahr 2016 über die Reversibilität des Standorts, d.h. die Möglichkeit der Entfernung radioaktiver Lagerbehälter über hundert Jahre andererseits. Am 4. Februar 2013 betonte die Ministerin für Ökologie, nachhaltige Entwicklung und Energie, Delphine Batho, bei einem Besuch des Standortes die Unterstützung des Projektes durch die Regierung.

    Das "Untertagelabor ′Zentrum Meuse - Haute Marne′" – d.h. der experimentelle Standort für die Lagerung radioaktiver Abfälle - ist ein Tunnellabyrinth mit einer Länge von 1300 Metern und in einer Tiefe von 490 Metern. Das Ziel des ersten Experiments war die Bestimmung der Gesteinsart: das Labor befindet sich inmitten einer 130 Meter dicken Schicht aus Ton, wodurch die Geologen sicherstellen, dass sie mindestens 1 Million Jahre stabil bleibt. Teil der Experimente ist es, die Bewegungen des Gesteins zu messen: in Tunneln mit mehreren Metern Durchmesser, bewegt sich der Ton zwischen 10 und 20 Zentimetern in sechs Monaten und stabilisiert sich dann. In diesem Zusammenhang werden noch andere Arten der Fixierung, aus Metall oder Beton, untersucht. In die Stollen werden horizontale Kammern von 70 cm Durchmesser für Behälter mit hochradioaktiven Abfällen gegraben. Die Bohrlöcher, mit einer Anfangslänge von 10 Metern, wurden bis zu 100 Meter geprüft. In einigen Kammern simulieren Heizsonden die Hitzeeinwirkung auf das Felsgestein: es darf sich nicht über 90°C erhitzen, damit das Wasser nicht verdampft. Die Einführung der Behälter in die Tunnelkammern wird an der Oberfläche getestet. Bislang gibt es praktisch keine Tests mit nuklearen Materialien: nur wenige Radionuklide werden zur Untersuchung ihres Verhaltens in den Felsen eingebracht.

    In diesem Jahr wird ein Stollenabschnitt mit Bentonit (Ton mit hohen Quell- und Absorptionsfähigkeiten) verschlossen, um die endgültige Schließung nach hundert Jahren Betrieb zu testen. Sollte das Projekt genehmigt werden, wird es in einer geologisch identischen Zone ein paar Kilometer entfernt, bei gleicher Tiefe, aber in größerem Maßstab umgesetzt: 3 x 5 Kilometer Fläche und 100 Kilometer Tunnel. Zwei 5 km lange abschüssige "Rampen" sorgen für den Umlauf der Behälter und Werkzeuge.

    Nach einer Reihe gesetzlich festgelegter Überprüfungen könnten die ersten Abfälle 2025 in Cigéo gelagert werden.

    Quellen: Artikel der Tageszeitung Les Echos – 06.02.2013 -
    http://www.lesechos.fr/entreprises-secteurs/energie-environnement/actu/020254467...,
    http://www.lesechos.fr/entreprises-secteurs/energie-environnement/actu/020254467...
    Pressemitteilung von enerzine – 06.02.2013 - http://www.enerzine.com/2/15252+cigeo---projet-de-texte-legislatif-sur-la-fiscal...

    Redakteurin: Hélène Benveniste, helene.benveniste@diplomatie.gouv.fr


    Merkmale dieser Pressemitteilung:
    Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler
    Energie, Geowissenschaften, Philosophie / Ethik, Umwelt / Ökologie
    überregional
    Organisatorisches
    Deutsch


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